BURG WELLENBERG
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Allgemeine Informationen
Der bergseitige Teil der heute meistens als «Schloss» bezeichneten Burg Wellenberg besteht aus einem wehrhaften Wohnturm mit grobem Findlingsmauerwerk. Die südlichen Teile der Anlage wurden in nachmittelalterlicher Zeit hingegen stark verändert. Die Burg war Sitz der 1204 erstmals erwähnten Herren von Wellenberg, die sich im Interregnum als Raubritter betätigten. Im 14. Jhdt. gehörte die Anlage zunächst den Spiegelbergern, dann den Herren von Strass und ab 1370 den Herren von Hohenlandenberg. Nach weiteren Besitzerwechseln wurde die Burg ein Zürcher Landvogteisitz.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 33’ 58.89“ N, 08° 56’ 48.66“ E
Höhe: 514 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 713.490 / 269.500
Kontaktdaten
Christof Schenkel | Schloss Wellenberg 10 | CH-8500 Frauenfeld
Tel: +41 (0)52 721 84 01
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Frauenfeld der Hauptstrasse in Richtung Weinfelden bis nach Wellhausen folgen, dann im Dorf nach Süden in Richtung Thundorf abbiegen. Das Strässchen führt nach ca. 1 km direkt an der Burg vorbei. Nur wenige Parkmöglichkeiten nahe der Burg.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Frauenfeld mit der Buslinie 829 in Richtung Müllheim fahren bis zur Haltestelle Wellhausen, Weinfelderstrasse. Dann dem Strässchen nach Thundorf in südlicher Richtung bergauf bis zur Burg folgen (ca. 20 Min.).
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Die Burg ist nur bei speziellen Anlässen oder auf Voranmeldung zugänglich. Sie kann aber auch für Trauungen und andere Veranstaltungen gemietet werden.
Siehe dazu: www.schlosswellenberg.ch/Angebot
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
teilweise möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Wellenberg
Quelle: Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 6: Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell-Innerrhoden, Appenzell-Ausserrhoden | Zürich, 1983 | S. 91 | Bauphasen eingefügt von O. Steimann gemäss: Knoepfli, Albert - Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. I: Der Bezirk Frauenfeld | Basel, 1950 | S. 444
Historie
«Waltherus de Wellinberc» wird 1204 erstmals als Dienstmann des Klosters Reichenau in einer Urkunde erwähnt. Wie sein Wohnsitz über dem Thurtal damals ausgesehen hat, ist unklar. Die massive steinerne Burg, deren Reste heute noch sichtbar sind, entstand wohl erst eine Generation später. Sie orientierte sich in der Bauweise an der nahen Burg Frauenfeld, möglicherweise auch an der Mörsburg (ZH). Kernbau war ein wehrhafter Wohnturm in Megalith-Mauerwerk, mit rohen Findlingsblöcken von bis zu 1,6 Metern Länge. Mit seinen maximal 3,3 Meter dicken Mauern übernahm er bergseits auch die Funktion einer Schildmauer. Nördlich des Turms lag der ummauerte Burghof.

Während dem Interregnum betätigten sich die Wellenberger offenbar als Raubritter. 1259 überfielen Ritter Ulrich und seine Neffen Zürcher Kaufleute, worauf die Stadt mit der Eroberung der Burg reagierte. Wellenberg wurde niedergebrannt und Ulrich in Zürich eingekerkert. Nachdem er Urfehde geschworen hatte, wurde er wieder freigelassen. Die Herren von Wellenberg wurden in der Folge Bürger von Zürich. Ihre Burg bauten sie in veränderter Form wieder auf. Gut sichtbar ist dies am alten Wohnturm, bei welchem ab dem 2. Stockwerk das ältere Megalith-Mauerwerk von Bruchsteinmauern mit schönem Eckverband abgelöst wird.

1330 war Konrad von Wellenberg bereits nicht mehr auf der Burg, sondern in Frauenfeld ansässig. Zusammen mit dem habsburgischen Vogt siegelte er in jenem Jahr das erste Stadtrecht für den späteren Hauptort des Thurgaus. Bereits 1338 tauchen Heinrich und Walther von Spiegelberg als neue Burgherren auf, nächste Besitzer waren die Herren von Strass. Um 1370 kam Wellenberg an Hans, Hermann, Hug und Beringer von Hohenlandenberg. Um ihre neue Herrschaft abzurunden kauften die vier Brüder 1385 den nahen Kehlhof Wellhausen hinzu. 1450 stiftete Margaretha von Hohenlandenberg eine Kaplanei auf der Burg, der zuständige Priester hatte auf Wellenberg vier Messen pro Woche zu lesen.

Über eine Verpfändung erwarb Jakob Mötteli zu Pfyn 1512 zunächst den Kehlhof Wellhausen, 1513 schliesslich auch Burg und Herrschaft von den Hohenlandenbergern. In der Folge muss er allerdings lange und teure Prozesse führen, um seine Rechte durchzusetzen. Das im Nordteil der Burganlage erstellte «Neue Schloss» mit Treppengiebel scheint unter seinem Sohn Joachim Mötteli entstanden zu sein. Da dieser der im Thurgau um sich greifenden Reformation nichts abgewinnen konnte, verkaufte er Burg und Herrschaft Wellenberg 1537 für 8987 Gulden an den Junker Gregor von Ulm, einen Protestanten.

Zunächst erwarb der neue Besitzer noch weitere Güter und Rechte zur Herrschaft hinzu. In den folgenden Generationen verschlechterte sich allerdings die wirtschaftliche Lage derer von Ulm. Als sich ein Verkauf abzuzeichnen begann, befürchtete man in Zürich, dass Wellenberg wieder katholisch werden könnte. 1669 schickte man deshalb Johann Escher als «Strohmann» vor. Escher kaufte Wellenberg und zog auf der Burg ein, tatsächliche Eigentümerin war aber Zürich. Dies wurde 1694 durch einen offiziellen Kaufvertrag bestätigt. Nun protestierten die katholischen Orte der Eidgenossenschaft und suchten zu verhindern, dass die Abtei Reichenau als oberster Lehnsherr der Stadt den neuen Besitz bestätigte. Die Belehnung erfolgte nach längerer Verzögerung, Wellenberg blieb bis 1798 eine Zürcher Landvogtei. In jenen Jahrzehnten wurde die Anlage weiter umgebaut, beispielsweise wurde dem «Neuen Schloss» ein Treppenhaus angesetzt und der Burggraben weitgehend aufgefüllt.

Nach dem Untergang der alten Eidgenossenschaft als Vogteisitz überflüssig geworden, veräusserte Zürich die Burg 1815 an Joachim Leonz Eder von Stans. Es folgten nun zahlreiche Besitzer, von denen die meisten nur als Immobilienspekulanten agierten. Der Versuch, auf der Burg eine Bierbrauerei mit grossem Keller einzurichten, hätte 1840 beinahe zum Einsturz der Gebäude geführt. Ab 1857 bewirtschaftete die Familie Leuzinger aus dem Kanton Glarus, ab 1876 die Familie Bienz aus dem Kanton Bern die Burg mit dem zugehörigen Hof. In jener Zeit wurde auf Wellenberg auch eine Sommerwirtschaft betrieben. 1900 folgte der Verkauf an die Familie Schenkel. Die Burg – heute landläufig «Schloss» genannt – wurde 2002 unter Bundesschutz gestellt. 2004 wurde eine Stiftung gegründet, um die historische Bausubstanz der Anlage zu erhalten.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafel auf der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 568
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. 144
  • Giezendanner, Heini - Burgen und Schlösser im Thurgau | Frauenfeld, 1997 | S. 58-61
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser im Thurgau | Kreuzlingen, o.J. | S. 115-116
  • Knoepfli, Albert - Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. I: Der Bezirk Frauenfeld | Basel, 1950 | S. 442-446
  • Komission des historischen Vereins des Kantons Thurgau - Die Burgen und Schlösser des Kantons Thurgau, II. Teil | Basel, 1932 | S. 90-93
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 260
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 6: Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell-Innerrhoden, Appenzell-Ausserrhoden | Zürich, 1983 | S. 91-92
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 72-73
  • Wälli, J. - Schloss Wellenberg | In: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Heft 47 | Frauenfeld, 1907 | S. 4-123
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