FESTI (BURG BENNENWIL)
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Allgemeine Informationen
Ruine mit wenigen Mauerresten in einem kleinen Waldstück nördlich von Gurzelen. Die vermutlich im frühen 13. Jhdt. gegründete Anlage wurde ab 1344 zum Mittelpunkt der vereinigten Herrschaften Nieder- und Obergurzelen und unter den Herren von Bennenwil und Lindach deutlich ausgebaut. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde sie spätestens in der Reformationszeit aufgegeben.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 46’ 55.50“ N, 07° 31’ 44.70“ E
Höhe: 616 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 606.910 / 181.220
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A6 bei der Ausfahrt Thun-Nord verlassen und dem Autobahnzubringer (221) in westlicher Richtung bis nach Seftigen folgen. Kurz nach dem Dorfausgang links abbiegen und die Bahnlinie unterqueren in Richtung Gurzelen. Nach 400 m wiederum links abbiegen und im Ort bei der Kirche parkieren. 70 Meter weiter der Strasse entlang zweigt rechts eine Zufahrt ab, die in einen Feldweg mündet, der der Ostseite des Dorfes entlang nach Norden führt. An dessen Ende führt ein kurzer Pfad über die Wiese zum kleinen Wald nordseits der Ortschaft, in welchem sich die Ruine befindet.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Thun mit der Bahn (S44 in Richtung Sumiswald-Grünen) bis nach Uetendorf. Ab hier weiter mit der Buslinie 57 nach Gurzelen, Schulhaus. Weitere Wegbeschreibung: siehe oben.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Festi (Bennenwil)
Quelle: gezeichnet von O. Steimann, 2026
Historie
Unklare Anfänge und ein erster Verkauf
Genauso wie Obergurzelen bildete auch Niedergurzelen im ausgehenden Hochmittelalter eine eigene kleine Herrschaft mit Pfarrkirche, Dorf und Adelssitz. Über ihre Ursprünge gibt es keine gesicherten Informationen – nur die vage Vermutung, dass der 1230 in den Quellen genannte Ritter «H. de Gurcellun» hier gewohnt haben könnte.
1259 gehörte Niedergurzelen den Freiherren Heinrich und Rudolf von Wiler, welche die Herrschaft in jenem Jahr an Rudolf von Strättligen, damals Herr von Obergurzelen, und an Jordan I. von Thun-Burgistein verkauften. Noch im gleichen Jahr respektive 1263 übergaben die neuen Besitzer die Kirchen von Ober- und Niedergurzelen samt Vogteien dem Kloster Interlaken. 1272 wurden die beiden Pfarreien zusammengelegt.

Zusammenlegung der Herrschaften Nieder- und Obergurzelen
Wie die Burg von Niedergurzelen im 13. Jhdt. ausgesehen hat, ist nicht bekannt. In der einschlägigen Literatur wird teilweise sogar bestritten, dass sie damals schon existierte. Auf einen alternativen Herrschaftsmittelpunkt, etwa einen Turm im Dorf, gibt es jedoch keinerlei Hinweise. Deshalb erscheint es plausibler, dass am Ort der «Festi» bereits im 12. oder 13. Jhdt. eine kleine Burg stand. Zumindest die starken Grundmauern des Hauptturms im westlichen Teil der Anlage dürften auf diese Zeit zurückgehen.
Unter dem nächsten Besitzer, dem einflussreichen Berner Laurenz Münzer, wurden spätestens um 1300 auch die Gerichtsherrschaften von Nieder- und Obergurzelen zusammengelegt. Seine Tochter Anna verkaufte 1344 ihr Erbe an Angehörige ihrer Schwestern. So gelangte die Herrschaft zu zwei Dritteln an die Herren von Bennenwil und zu einem Drittel an die Herren von Lindach.

Ausbau der Burg ab 1344
Die neuen Besitzer gaben die Burg Obergurzelen auf und machten jene von Niedergurzelen zum alleinigen Herrschaftssitz. Zu diesem Zweck wurde die Festi ab 1344 bedeutend ausgebaut. Das an einer Geländekante gelegene, auf drei Seiten von einem Graben geschützte Burgareal besteht aus einem erhöhten Westteil und einem niedrigeren, etwa doppelt so grossen Ostteil. Der Hauptturm im Westteil wurde wohl aufgestockt, während ganz im Osten ein neuer Bau entstand: ein Wohntrakt oder zweiter Turm mit rechteckigem Grundriss. Zwischen diesen beiden Gebäuden erstreckte sich der Burghof, wo sich auch die Toranlage befunden haben dürfte.
Die Herren von Bennenwil, die ursprünglich aus dem Weiler Beniwil im Freiburger Sensebezirk stammten, scheinen von der Bevölkerung als die massgeblichen neuen Besitzer wahrgenommen worden zu sein, denn ihr Name übertrug sich auf die Burg. Allerdings starb der letzte männliche Vertreter der Familie noch vor 1400, und um die gleiche Zeit erlosch auf die Familie von Lindach.

Viele Besitzerwechsel und Niedergang der Burg
Die weitere Besitzergeschichte ist sehr verworren. Der Lindach-Drittel wurde dem Oberen Spital Bern vererbt und 1523 von der Familie von Wattenwyl auf Burgistein gekauft. Die beiden Bennenwil-Drittel gelangten durch mehrere Verkäufe ab 1364 in die Hände der Herren von Krauchthal. Durch eine Erbteilung kam der eine Drittel im frühen 15. Jhdt. an die Herren von Erlach – diesen konnten die von Wattenwyl auf Umwegen bis 1542 ebenfalls erwerben. Der letzte Anteil gelangte hingegen 1464 ans Kloster Thorberg. Als dieses im Zuge der Reformation 1528 säkularisiert wurde, fiel der Besitz der Stadt Bern zu.
Spätestens im 16. Jhdt. wurde die Burg nicht mehr benötigt, dem Zerfall überlassen und als Steinbruch ausgebeutet. Heute ist noch eine stark verwitterte Mauerecke des Hauptturms zu sehen. Im östlichen Teil der Anlage deuten schwache Mauerspuren und Geländevertiefungen den ungefähren Gundriss der mittelalterlichen Wehranlage an. Leider hat die Ruine auch in jüngerer Vergangenheit Schaden genommen durch illegale Raubgrabungen.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Archäologischer Dienst des Kantons Bern (Hg.) - Archäologie Bern 2008 | Bern, 2008 | S. 32
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 125
  • Dubler, Anne-Marie - Die Region Thun-Oberhofen auf ihrem Weg in den bernischen Staat (1384-1803) | In: Berner Zeitschrift für Geschichte um Heimatkunde, Bd. 66 | Bern, 2004 | S. 105-107
  • Dubler, Anne-Marie - Gurzelen (BE) | In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Stand vom 12.07.2026: hls-dhs-dss.ch
  • Moll, Heinz J. - Ruinen von Burgen und Sakralbauten im Kanton Bern | Norderstedt, 2019 | S. 69-75
  • Schmid, Bernhard / Moser, Franz - Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern: Mittelland, Emmental und Oberaargau, I. Teil | Basel, 1942 | S. 101 und 104
Webseiten mit weiterführenden Informationen
Sonstiges
  • Burgsage: Der Ritter von Bennewil
    Burgsage: Der Ritter von Bennewil

    An einem leuchtenden Frühlingsmorgen sah der Burgherr von Bennewil vom Fenster seines Rittersaals ins Gürbetal hinunter und erblickte einen Bauern und seinen Sohn, die den Acker bestellten. Vor ihren Pflug hatten sie zwei schöne, kräftige Schimmel gespannt. Lange sah ihnen der finstere Zwingherr bei der Arbeit zu, dann rief er einem Knecht und befahl: «Steig’ zu diesem Landmann hinunter und hole mir die beiden Schimmel. Was braucht der Bauer einen Pflug, wenn er doch eine Hacke hat!» Der Knecht ging, meldete des Ritters Befehl und schickte sich an, die Pferde auszuspannen. Doch schon im nächsten Augenblick klatschte des Bauern Peitschenstock auf seine Hand nieder und schlug ihm einen Finger entzwei. Jammernd vor Schmerz meldete er seinem Herrn auf der Burg den Vorfall. «Geh mir aus den Augen, du elende Heultatze, du feiger Lümmel!» donnerte ihn der Ritter an und stieg nun selber in die Ebene hinunter. Drohend hob er vor dem Bauern seine Faust und rief: «Du verdammte Bauernkanaille, was widersetzt du dich meinem Willen? Im dunkelsten Verliess meiner Burg sollst du diese Freveltat büssen! Ich will …» Weiter kam er nicht, denn wieder erhob der Landmann seinen Peitschenstock, und laufend fuhr dieser auf des Ritters Haupt nieder. Mit einem Schrei sank der Schlossherr zu Boden. Dreimal fuhren die beiden Bauern mit dem Pflug über die gleiche Stelle, legten den Leichnam in die vertiefte Furche, pflügten sie zu und ackerten ruhig weiter, bis die Sonne über dem Stockhorn stand und sie heimkehren mussten. Niemand aber erfuhr, was mit dem Zwingherrn von Bennewil geschehen war. Erst viel später, als die Burg zerfiel, erzählten Nachfahren des Bauern, dass ihr Urahne vor vielen, vielen Jahren den habsüchtigen Herrscher von Bennewil erschlagen und so die Leute der Gegend aus der Tyrannei befreit habe.

    (gekürzte Fassung auf Basis von: Die Berner Woche in Wort und Bild | 19. Jhg./Nr. 28 | Bern, 1929 | S. 414-415)

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