STADTBEFESTIGUNG THUN
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Allgemeine Informationen
Der seit dem frühen Mittelalter bestehende Ort Thun gelangte im späten 12. Jhdt. unter die Herrschaft der Herzöge von Zähringen, die auf dem Schlossberg eine grosse Burg und bald darauf auch eine erste Stadtmauer erbauen liessen. Unter ihren Nachfolgern, den Grafen von Kyburg und Neu-Kyburg, wurde die Stadt erweitert und um zahlreiche Türme und Tore ergänzt. 1384 fielen die Herrschaftsrechte an Bern. Von den Befestigungsanlagen sind heute noch einige längere Abschnitte der Stadtmauer, drei Wehrtürme und das Burgitor erhalten.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 45' 30.60“ N, 07° 37' 54.70“ E
Höhe: 580 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 614.760 / 178.610
Kontaktdaten
Thun-Thunersee Tourismus | Seestrasse 2 | CH-3600 Thun
Tel: +41 (0)33 225 90 00 | E-Mail: thun@thunersee.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A6 bei der Ausfahrt Thun-Nord verlassen und dann der Zubringerstrasse ins Stadtzentrum folgen. Kostenpflichtige Parkhäuser in der Innenstadt, z.B. Grabengut oder City West.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Thun ist per Bahn von Bern aus in knapp 20 Min. erreichbar. Die befestigte Altstadt ist nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt.
Wanderung zur Burg
Thun liegt am Panorama Rundweg Thunersee und an der ViaBerna.
Öffnungszeiten
Türme und Stadtmauer sind nicht begehbar – nur Aussenbesichtigung möglich.
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Stadtbefestigung Thun
Quelle: gezeichnet von O. Steimann, 2026 | u.a. auf Basis von: Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2a: Nachträge zu Band 2 | Zürich, 1999 | S. 8
Historie
Die erste Stadtmauer der Herzöge von Zähringen
Die Gegend um Thun war seit der Jungsteinzeit besiedelt, und die Ursprünge der heutigen Stadt reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Vermutlich waren es die ab 1130 in den Quellen auftauchenden Freiherren von Thun, die auf dem Schlossberg eine erste Wehranlage mit Kirche errichteten. Im späten 12. Jhdt. gelangte der Ort unter die Herrschaft der Herzöge von Zähringen, die gegen 1200 die bis heute bestehende Burg mit dem mächtigen Donjon erbauten. Schon wenige Jahre später entstand die Kernstadt, die neben dem Schlossberg auch bereits das Areal um den Rathausplatz und einen Brückenkopf südlich der inneren Aare umfasste.
Von dieser ersten Bauphase der Stadtbefestigung sind noch Teile der 1,5 Meter dicken Nordmauer am Schlossberg erhalten und mit dem Burgitor das einzige bis heute bestehende Stadttor von Thun. Das Portal mit einer Torweite von 3,2 Metern trug ursprünglich ein Walmdach, das 1786 durch das heutige Steildach ersetzt wurde. Die zähringische Stadtmauer konnte auch unten am Fluss stellenweise archäologisch nachgewiesen werden.

Erste Stadterweiterung unter den Grafen von Kyburg
Nach dem Aussterben der Zähringen (1218) gelangte Thun unter die Hoheit der Grafen von Kyburg. Unter ihnen wurde die Stadtbefestigung um die Mitte des 13. Jhdts. bedeutend erweitert. Aus jener Zeit stammt die 85 Meter lange Mauer, die sich von der Burg nordwärts bis hinunter zum Chutzenturm zieht. Sie ist rund 9 Meter hoch und an der Basis bis zu 1,35 Meter dick. Ein weiterer langer Abschnitt ist zwischen dem ehemaligen Berntor und dem Venner- oder Zyroturm erhalten. Gegen die innere Aare hin bildet der Schwäbisturm den Abschluss dieser nordseitigen Stadterweiterung, der ein Graben mit Kontermauer vorgelagert war. Ob die drei erhaltenen Wehrtürme zumindest teilweise noch auf die kyburgische Zeit zurückgehen, ist allerdings unsicher. In der heutigen Form entstanden sie wohl erst im 15. Jhdt.
Thun erhielt 1256 von Graf Hartmann V. von Kyburg einen Freiheitsbrief. 1264, ein Jahr nach seinem Tod, stellte seine Frau Elisabeth der Stadt eine Handfeste aus. Über die Erbtochter Anna gelangte Thun 1273 schliesslich ans Haus Neu-Kyburg, eine Seitenlinie der Grafen von Habsburg-Laufenburg.

Zweite Stadterweiterung unter den Grafen von Neu-Kyburg
Auch die Neu-Kyburger machten sich bald daran, die Stadt weiter auszubauen. Nun wurde auch das sogenannte «Bälliz» – heute der Raum zwischen innerer und äusserer Aare – in den Stadtmauerring miteinbezogen. Drei zusätzliche Stadttore und sieben Wehrtürme ergänzten die lange Mauer, von der nur an wenigen Stellen noch Fundamente archäologisch nachgewiesen werden konnten. Sie war an der Basis bis zu 1,7 Meter stark und inwendig von Beginn an hinterschüttet, um das Gelände vor Überschwemmungen zu schützen. Das Bälliz war im Mittelalter noch keine Insel. Diese entstand erst, nachdem 1714 die Kander in den Thunersee umgeleitet worden war und man den südwestseitigen Stadtgraben zum zweiten Flussarm ausbaute.
1323, ein Jahr nachdem er seinen Bruder Hartmann II. ermordet hatte, musste Graf Eberhard II. von Neu-Kyburg Burg und Stadt Thun an Bern verkaufen, um einen Sühneangriff der Habsburger zu verhindern. Er erhielt zwar beides als Lehen zurück. Sein Sohn Hartmann III. verpfändete dieses Lehen 1363 jedoch an Habsburg-Österreich. Erst nachdem Bern die Neu-Kyburger im Burgdorferkrieg besiegt hatte, konnte es die Herrschaft über Thun 1384 endgültig übernehmen.

Thun in nachmittelalterlicher Zeit
In nachmittelalterlicher Zeit wurde die Stadtbefestigung von Thun nicht mehr erweitert, nur einige Türme und Tore wurden im 16. Jhdt. verstärkt oder gar neu errichtet. Das Rathaus wurde 1585 um den Archivturm ergänzt, der als Schatz- und Rüstungskammer genutzt wurde. Als Marktort und Umschlagplatz für den Schiffverkehr genoss Thun in der frühen Neuzeit eine gewisse Bedeutung, auch wenn man politisch und militärisch vom mächtigen Stadtstaat Bern dominiert wurde.
Nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen war Thun in der Helvetischen Republik von 1798 bis 1803 Hauptort des kurzlebigen Kantons Oberland. Nach dieser kurzen Episode wurde es wieder zum regionalen Zentrum, profitierte als Eingangstor zum Berner Oberland wirtschaftlich aber schon bald vom aufkommenden Tourismus. Ausserdem wurde es ab 1819 zu einem wichtigen Standort der Schweizer Armee.

Der Abbruch vieler Befestigungsanlagen im 19. Jhdt.
Wie in vielen anderen Städten begann die Entfestigung Thuns im 19. Jhdt. Zwischen 1839 und 1853 wurden die vier Stadttore auf der Ost-, Süd- und Westseite der Stadt alle abgebrochen, weil man die Zugangsstrassen verbreitern wollte. 1876 traf dieses Schicksal auch das Berntor auf der Nordwestseite der Altstadt, und 1894/95 verschwand der im Grundriss sechseckige Schwarze Turm, der östlichste Wehrturm der Stadt.
Seit dem frühen 20. Jhdt. wurde die Stadtbefestigung immer wieder archäologisch und bauhistorisch untersucht. Bis heute werden neue Erkenntnisse gewonnen. So wurden 2018 bei Strassenarbeiten vor dem ehemaligen Berntor neue Abschnitte der Kontermauer des früheren Stadtgrabens freigelegt.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Dubler, Anne-Marie - Die Region Thun-Oberhofen auf ihrem Weg in den bernischen Staat (1384-1803) | In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, 66. Jhg./Nr. 2 | Bern, 2004 | S. 61-117
  • Herrmann, Volker - Thun, Berntorplatz: Der Graben und die spätmittelalterliche Befestigung der Unterstadt | In: Archäologie Bern 2019 | Bern, 2019 | S. 110-113
  • Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 88-92
  • Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2a: Nachträge zu Band 2 | Zürich, 1999 | S. 8-9
  • Müller, Felix / Küffer, Peter - Thun (Gemeinde) | In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Stand vom 22.06.2026: hls-dhs-dss.ch
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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