BURG HOHENTRINS (CRAP SOGN BARCAZI)
 Weltweit | Europa | Schweiz | Kanton Graubünden | Region Imboden | Trin

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Allgemeine Informationen
In extremer Lage auf einem weitherum sichtbaren Felszahn erbaute Höhenburg, die sich vielleicht aus einem älteren Kirchenkastell entwickelt hat. Im Hochmittelalter war Hohentrins Mittelpunkt einer Herrschaft im Besitz der Herren von Sagogn-Wildenberg, später gehörte die Burg den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg und den Herren von Hewen. 1470 fiel sie einem Brand zum Opfer und wurde aufgegeben. Sichtbar sind die konservierten Reste der Kirche, des Hauptturms, eines wehrhaften Palas, zweier Zisternen und der Ringmauer.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 49' 45.21" N, 09° 21' 01.91" E
Höhe: 1010 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 745.860 / 188.230
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
Der exponierte Burgfelsen fällt gegen alle Seiten hin sehr steil ab und ist nicht gesichert.
Anfahrt mit dem PKW
Ab Chur auf der Autobahn A13 rheinaufwärts bis zur Ausfahrt Reichenau, anschliessend auf der Kantonsstrasse 19 bis nach Trin. Das Dorfzentrum durchqueren und auf der Hauptstrasse weiter in Richtung Trin Mulin fahren. 500 nach Trin macht die Strasse im Wald bei Porclis eine ausgeprägte Rechtskurve. Hier parkieren und dem ausgeschilderten Wanderweg in ca. 10 Min. steil bergauf zur Ruine folgen.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Chur mit der Postautolinie in Richtung Laax bis zur Haltestelle Trin, Porclis. Ab hier den Wegweisern folgen.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Hohentrins
Quelle: Infotafel auf der Burg | bearbeitet von O. Steimann, 2013
Historie
Nach den Vorstellungen der frühen Bündner Chronisten ist die Burg Hohentrins um 750 durch Pippin den Jüngeren, den Vater Karls des Grossen, erbaut worden. Diese Theorie klingt angesichts der Lage der Burg zwar unglaubwürdig, wird aber durch die Forschung bis heute nicht gänzlich verworfen. Denn die Anlage auf dem schroffen, kaum zugänglichen Felszahn zwischen Trin und Mulin dürfte tatsächlich früh gegründet worden sein - möglicherweise an der Stelle eines vorchristlichen Kultplatzes. Ausserdem erwähnt eine Urkunde von 1325 altes Königsgut in unmittelbarer Nähe der Burg.

Zentraler Bau der hochmittelalterlichen Anlage war eine kleine Kirche. Sie muss, wie der überlieferte rätoromanische Name «Sogn Barcazi» andeutet, dem hl. Pankratius geweiht gewesen sein. Der einfache, nach Osten ausgerichtete Sakralbau wird in die Zeit um 1100 datiert. Vielleicht ersetzte er einen älteren Vorgänger. Es ist offen, ob er damals als Pfarrkirche gedient hat, wie dies bei vergleichbaren Anlagen der Fall war. Im 12. Jhdt. wurde auf der Nordseite der Kirche eine rechteckige Tankzisterne angefügt. Als ergänzende Wasserversorgung erreichtete man im westlichen Teil des Burgarelas einen Filterzisterne.
Die Fläche auf dem Felskopf, die rund 50 x 80 Meter umfasst, war durch einen Bering befestigt. Bereits im 11. oder 12. Jhdt. entstand der Wohnkomplex im südlichen Teil des Kastells, dessen Zentrum ein wuchtiger Turm bildete. Er mass im Grundriss 11 x 7 Meter bei einer Mauerstärke von 1,8 Metern. Die weiteren Bauten dieser Phase lassen sich nicht klar zuordnen, doch ist in ihnen auch die Wohnung des Priesters zu vermuten. Erst im 13. Jhdt. entstand als letztes markantes Bauwerk ein mindestens zweigeschossiger, wehrhafter Palas von 18 Metern Länge. Dieses Gebäude wurde, im Gegensatz zu den anderen, über den alten Bering hinaus bis an die Felskante gebaut.

Schriftliche Hinweise zur Burg fehlen bis ins frühe 14. Jhdt. Aufgrund der späteren Eigentumsverhältnisse kommen aber nur die Herren von Sagogn-Wildenberg als Besitzer der Herrschaft im Hochmittelalter in Frage. Durch die Heirat von Anna von Wildenberg mit dem Grafen Hugo III. von Werdenberg-Heiligenberg muss letztere Familie in den Besitz der Anlage und der damit verbundenen Rechte gelangt sein. 1325 wird Hohentrins erstmals in einer Verpfändungsurkunde Hugos III. genannt.
1360 kam es zu einer Fehde zwischen rätischen Freiherren und den Grafen von Werdenberg-Sargans und Werdenberg-Heiligenberg. Was mit Hohentrins in jener Zeit geschah, ist unklar. Offenbar wurde die Burg verpfändet, denn 1383 mussten Hugo und Heinrich von Werdenberg-Heiligenberg die Herrschaft bei Ulrich Brun von Rhäzüns auslösen. Bereits 1398 war die Burg aber erneut verpfändet, diesmal an Graf Albrecht von Werdenberg-Bludenz, einen Parteigänger der Habsburger. Doch nur wenige Monate später traten die Brüder Rudolf und Heinrich von Werdenberg-Heiligenberg mit ihrer «vesti hohen Truns» dem sogenannten Oberen Bund bei.

1428 starb mit Hugo V. der letzte Graf von Werdenberg-Heiligenberg. Um Hohentrins stritten sich nun als Erben die Grafen von Werdenberg-Trochtelfingen und die Herren von Hewen. Letztere setzten sich durch, und in den folgenden Jahrzehnten sind etliche Vögte in ihrem Dienst bezeugt. 1470 bekleidete Otto von Capaul dieses Amt, als am 2. Juli in seiner Abwesenheit ein Brand auf Hohentrins ausbrach und die Burg wohl weitgehend zerstörte. Als Entschädigung bekam er von den Herren von Hewen ein Erbgut im Lugnez. Ein Wiederaufbau der Burg ist nicht bezeugt, und auch die Fundgegenstände reichen nicht weiter als bis ins späte 15. Jhdt. Vögte von Hohentrins sind zwar noch bis 1524 bezeugt, doch müssen sie ihren Amtssitz ins Dorf oder auf die Burg Canaschal verlegt haben. 1568 kam die Herrschaft Hohentrins in den Besitz von Johann von Planta, 1583 an Graf Wolfgang von Löwenstein-Wertheim und 1585 schliesslich an die Herren von Schauenstein. 1616 konnte sich die Gemeinde Trin nach einem Streit mit den Schauensteinern für 11'200 Gulden freikaufen.

Die zerstörte Burg geriet offenbar rasch in Vergessenheit. Wohl deshalb haben neuzeitliche Chronisten die historischen Nachrichten über Hohentrins stets auf Canaschal bezogen. Der Irrtum wurde erst deutlich, als durch den Schweizerischen Burgenverein (SBV) auf dem Crap Sogn Barcazi 1931 Ausgrabungen durchgeführt wurden. Leider fehlte damals das Geld für die Konservierung der Ruine, weshalb etliche Mauerzüge rasch zerfielen. 1936/37 konnten immerhin die Kirche und die Filterzisterne saniert werden, den Rest der Mauern deckte man teilweise wieder zu.
Im Zweiten Weltkrieg richtete die Schweizer Armee im Felsen unterhalb den Burgmauern einen Unterstand mit zwei Geschützstellungen ein. Von nun an trug das Militär die Verantwortung für die Ruine, die 1964 erneut gesichert wurde. Erst 2004 konnte die Gemeinde Trin den Crap Sogn Barcazi übernehmen. Von 2006 bis 2010 wurde die Ruine erstmals einer umfassenden Sanierung unterzogen, wobei auch neue Erkenntnisse über ihre Baugeschichte gewonnen werden konnten.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafel auf der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 359
  • Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 186-188
  • Clopath, Johann - Geschichten von Hohentrins bis Trin | In: Gemeinde Trin (Hg.) - Trin: In portret dil vitg / Ein Portrait des Dorfes | Trin, 2003 | S. 56-65
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden) | 2. überarb. und erg. Aufl. | Kreuzlingen, 1981 | S. 148-149
  • Poeschel, Erwin - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Leipzig, 1930 | S. 227
  • Poeschel, Erwin - Die Kirchenburg Crap Soign Parcazi - Pankratiusstein bei Trins | In: Bündnerisches Monatsblatt, 20. Jhg./Nr. 10 | Chur, 1933 | S. 314-319
  • Poeschel, Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. IV: Die Täler am Vorderrhein, I. Teil: Das Gebiet von Tamins bis Somvix | Basel, 1942 | S. 30-32
  • Von Castelmur, Anton - Die Burgen und Schlösser Graubündens, II. Teil: Bündner Oberland und Seitentäler | Basel, 1944 | S. 11-15
  • Walther, Chr. - Die rätischen Kirchenburgen | In: Terra Grischuna, Nr.4/40 | Chur, 1981 | S. 234-238
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