STADTBEFESTIGUNG WIL
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Quelle: Olbrich, Willi - Befestigungsanlagen der Stadt Wil | Wil, 1983 | S. 15
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Allgemeine Informationen
Die Stadt Wil wurde im späten 12. Jhdt. durch die Toggenburger zusammen mit einer Burganlage gegründet und kam 1227 unter die Herrschaft der Abtei St. Gallen. Nach der Zerstörung durch die Habsburger (1292) wurde die Stadt im frühen 14. Jhdt. neu aufgebaut und befestigt. Heute noch erhalten sind das obere Tor der Kernstadt (Schnetztor), ein langer Abschnitt der ostseitigen Mauer in der oberen Vorstadt sowie ein stark umgebauter Eckturm in der niederen Vorstadt.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 28’ 03.00“ N, 09° 03’ 01.15“ E
Höhe: 599 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 721.500 / 258.660
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A1 bei der Ausfahrt Wil verlassen und anschliessend in nördlicher Richtung bis zu einem Verkehrskreisel fahren, von wo die Hauptstrasse 7 nach Westen in Richtung Altstadt führt. Parkplätze nahe dem historischen Stadtzentrum.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab St. Gallen mit der Bahn nach Wil. Das historische Stadtzentrum ist vom Bahnhof aus zu Fuss gut erreichbar.
Wanderung zur Burg
Der Thurgauer Panoramaweg führt direkt durch die Wiler Altstadt.
Öffnungszeiten
nur Aussenbesichtigung möglich
Angebote für Stadtführungen unter: www.stadtwil.ch/stadtfuehrung
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
Gaststätte im Hof zu Wil:
www.hofzuwil.ch/gastronomie/philosophie
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Stadtbefestigung Wil
Quelle: weitgehend neu gezeichnet von O. Steimann, 2021 | auf Basis von: Anderes, Bernhard - Wil SG [Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 99] | Bern, 1970 | S. 16
Historie
Gründung durch die Toggenburger
Der Ort «Wila» taucht bereits 754 in der Schenkungsurkunde eines Alemannen namens Rothbald ans Kloster St. Gallen auf. Die Stadtgründung erfolgte aber frühestens im späten 12. Jhdt. Damals errichteten die Herren von Toggenburg auf dem höchsten Punkt des Stadthügels eine Burganlage – den heutigen Hof zu Wil. Gleichzeitig mit der Erlangung des Grafentitels (um 1209) begann die Familie, ihre Herrschaft im weiten Umkreis um die Alt-Toggenburg mit der Gründung von Städten, Burgen und Klöstern abzusichern. Doch der Mord von Graf Diethelm II. an seinem Bruder Friedrich I. im Dezember 1226 stoppte diesen Aufstieg vorerst: Im nachfolgenden Jahr schenkte der Vater der beiden der Abtei St. Gallen nicht nur die Alt-Toggenburg, sondern auch die Stadt Wil. Noch über zwei Generationen versuchten die Grafen, diese Besitzungen zurückzugewinnen. 1244 konnten sie Wil erobern, verloren es aber bereits im Folgejahr wieder an St. Gallen. Letztlich blieben ihre Bemühungen ohne Erfolg.

Aufschwung und Zerstörung
Unter st. gallischer Herrschaft erlebte Wil offenbar einen ersten Aufschwung. 1244 wird erstmals ein Schultheiss erwähnt, 1260 eine Stadtbefestigung. Diese dürfte sich auf die Kernstadt auf dem länglichen Hügel zwischen Schnetztor und Schneckentor beschränkt haben. Archäologisch konnte sie bisher aber nicht eindeutig nachgewiesen werden.
In der zweiten Hälfte des 13. Jhdts. verwickelte sich die Abtei St. Gallen in einen langen Streit mit dem Grafen und späteren König Rudolf von Habsburg. Dieser liess als Konkurrenz zu Wil nur 3 Kilometer weiter südöstlich Burg und Stadt Schwarzenbach errichten. Unter seinem Sohn Albrecht gipfelten die Feindseligkeiten in der Eroberung und Zerstörung Wils im Jahr 1292. Die Einwohner mussten die Stadt räumen und nach Schwarzenbach umziehen.

Wiederaufbau und Erweiterung
1301 kam es zur Aussöhnung zwischen St. Gallen und Habsburg, den Wilern wurde die Rückkehr erlaubt. Die Stadt wurde wieder aufgebaut und erhielt eine neue Umfassungsmauer. Von dieser sind heute keine Abschnitte mehr offen sichtbar, aber in den Grundmauern vieler Altstadthäuser noch vorhanden. Auf der Nordseite der Kernstadt sind diese Mauerstöcke rund 6 Meter hoch. Auch unter dem Haus «Toggenburg» (zwischen Hof und Schnetztor) konnte die Stadtbefestigung archäologisch nachgewiesen werden.
Durch einen grossen Stadtbrand im Jahr 1312 wurde Wils Wachstum nur kurzzeitig gebremst. Bereits wenige Jahre später war die Kernstadt zu klein geworden und musste gegen Osten (obere Vorstadt) und Süden (niedere Vorstadt) erweitert werden. Schriftlich belegt sind diese neuen Stadtteile erstmals in den Jahren 1338 und 1340. Sie waren mit etwa 1 Meter dicken, 6 bis 8 Meter hohen Mauern umgeben. Die niedere Vorstadt verfügte über fünf äussere Tore und einen Turm in der südöstlichen Ecke. Letzterer ist heute in stark umgebauter Form noch erhalten. Die obere Vorstadt verfügte über drei äussere Tore und einen Eckturm auf der Südseite. Von ihrer Befestigung ist die ostseitige Mauer noch weitgehend erhalten. Diesen äusseren Mauern war ein Stadtgraben vorgelagert, der 1401 erstmals Erwähnung findet.

Die Äbtestadt im 15. und 16. Jhdt.
Eine Blütezeit erlebte Wil unter der von 1463 bis 1491 dauernden Herrschaft von Fürstabt Ulrich Rösch. Rösch konnte die Grafschaft Toggenburg erwerben und machte Wil zu deren Herrschaftszentrum. Dazu baute er auch den Hof zu einer prächtigen Abtspfalz aus und liess die Stadtbefestigung verbessern. Das Schnetztor, das seine Bezeichnung vermutlich einem früheren Wächter namens Georg Schnetzer verdankt, wurde unter Rösch zu einem geschlossenen Torturm ausgebaut, der später auch als Gefängnis diente und bis heute zu den Wahrzeichen der Altstadt zählt. Auch wirtschaftlich ging es aufwärts, weil Wil unter Rösch das Recht erhielt, zusätzliche Wochenmärkte abzuhalten.
Ab 1525 fand die Reformation auch in Wil Anhänger. Doch die Stadt kehrte 1531, nach dem Sieg der katholischen Orte in der Schlacht von Kappel, zum alten Glauben zurück. Fürstabt Diethelm Blarer von Wartensee konnte damals von Wil aus seine Herrschaft über St. Gallen zurückerlangen.

Revolutionszeit und Entfestigung
Nachdem Wil bereits 1712 im zweiten Villmergerkrieg von Truppen aus Zürich und Bern belagert und eingenommen worden war, wurde es 1798 durch die französische Revolutionsarmee besetzt. Die Herrschaft der Äbte war damit beendet. Die Stadt wurde zunächst dem kurzlebigen Kanton Säntis zugeteilt, 1803 dem neu gegründeten Kanton St. Gallen. 1831 wurde sie zum Bezirkshauptort bestimmt. Mit dem Abbruch der Befestigungsanlagen hatte man allerdings schon früher begonnen. Bereits 1778 wurden zwei Vorstadt-Tore aufgehoben, 1805 ein erster Abschnitt der Stadtmauer abgebrochen. 1834 folgte das Pankratiustor, 1835 das untere Tor der Kernstadt (Schneckentor). 1870 wurde schliesslich auch der Lederturm in der oberen Vorstadt entfernt. Als man im Zuge eines Ausbaus der Stadtkirche St. Nikolaus 1932 deren spätmittelalterlichen Turm (genannt «Wendelstein») abbrach, stiess man auf massive Fundamente aus Megalithsteinen. Der Turm, der auch als Sitz eines Hochwächters gedient hatte, könnte somit ein Bestandteil der nach 1301 gebauten Stadtbefestgung gewesen sein.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Anderes, Bernhard - Wil SG [Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 99] | Bern, 1970
  • Grüninger, Irmgard - Der Hof, das Wahrzeichen der Äbtestadt Wil | In: 136. Neujahrsblatt des Historischen Vereins des Kantons St. Gallen | Rorschach, 1996 | S. 93-99
  • Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 222-224
  • Mathis, Hans Peter et al. - Der Hofplatz zu Wil [Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 806-807] | Bern, 2007
  • Olbrich, Willi - Befestigungsanlagen der Stadt Wil | Wil, 1983
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