CHÂTEAU D'ORON
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Allgemeine Informationen
Auch wenn die Innenräume über die Jahrhunderte viele Umgestaltungen erfahren haben, zählt Oron zu den am besten erhaltenen Burganlagen der Waadt. Die Herren von Oron erbauten ihren Hauptwohnsitz um die Mitte des 13. Jhdts. und besassen ihn bis zu ihrem Aussterben 1388. Erbweise fiel die Burg dann den Grafen von Greyerz zu, die ihn aber bald weiterveräussern mussten und erst 1457 zurückkaufen konnten. Ab 1557 diente das Château d’Oron Bern als Landvogteisitz. Heute gehört es einem Verein und ist öffentlich zugänglich.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 34’ 29.12“ N, 06° 50’ 15.04“ E
Höhe: 717 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 553.920 / 158.340
Kontaktdaten
Château d’Oron | Au Château 1 | CH-1608 Oron-le-Châtel
Tel: +41 (0)21 907 90 51 | E-Mail: chateau.oron@bluewin.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Lausanne auf der Hauptstrasse 1 in nordöstlicher Richtung über Epalinges und Montpreveyres bis nach Ecorcheboeuf fahren, wo rechts die Route de la Croix d’Or abbiegt und über Mézières und Auboranges nach Oron-la-Ville führt. Hier links abbiegen und der Route de Bulle in östlicher Richtung zum Ortsteil Oron-le-Châtel folgen, wo die Burg steht. Parkmöglichkeiten vor Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Lausanne mit dem InterRegio-Zug in Richtung Luzern bis nach Palézieux fahren. Ab hier weiter mit der Buslinie 472 (in Richtung Romont) bis zur Haltestelle Oron-le-Châtel, poste.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
von April bis September:
jeden Samstag von 14:00 bis 17:00 Uhr
jeden Sonntag von 14:00 bis 18:00 Uhr
Gruppen können die Burg auf Voranmeldung auch zu anderen Zeiten besuchen.
Diverse Räume können für private Anlässe gemietet werden.
Eintrittspreise
Erwachsene: 10 CHF
Kinder: 5 CHF
(Stand 2018)
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Oron
Quelle: Bourgeois, Victor H. - Die Burgen und Schlösser des Kantons Waadt, II. Teil | Basel, 1936 | S. 44 | Vorburg ergänzt durch O. Steimann, 2018
Historie
Wie Funde belegen, war die Gegend von Oron bereits in keltischer Zeit besiedelt, später wurde sie von der bedeutenden Römerstrasse von Avenches nach Lausanne durchquert. Grundlage der mittelalterlichen Herrschaft bildete wohl ein Güterkomplex, den König Rudolf III. von Hochburgund 1017 dem Kloster Saint-Maurice vermachte. Diesen Besitz liess die Walliser Abtei fortan durch Meier verwalten – sie entstammten einer Familie, die vermutlich eng mit den Herren von Blonay verwandt war. Die Meier von Oron tauchen ab 1137 mit Guillaume I. in den Urkunden auf. Durch die Vererbung des Amtes betrachteten sie die Herrschaft schliesslich als ihren Besitz und anerkannten das Kloster nur noch als Oberlehnsherrn. Den Meiertitel legten sie darum ab und nannten sich Herren von Oron. Vielleicht als Ersatz für eine ältere Burg errichtete dieses aufstrebende Geschlecht um die Mitte des 13. Jhdts. das Château d’Oron. 1261 wird der Neubau erstmals direkt in den Schriftquellen erwähnt.

Die langgezogene Hauptburg wird im Nordosten von einem runden Donjon mit bis zu 3,3 Meter dicken Mauern überragt. Dieser 30 Meter hohe Turm und die Ringmauer gehen mit Sicherheit auf die erste Bauphase zurück. Der innere Burghof – heute überdacht – wird von grosszügigen, vielfach umgestalteten Wohnbauten flankiert. Der ursprüngliche Palas erstreckte sich entlang der Nordwestseite. Noch gut erhalten ist das Burgtor, über dem ein Erker mit Pechnasen prangt. Tiefe Schlitze in der Mauer zeigen an, wo sich einst die Hebebalkenkonstruktion für die Zugbrücke befand. Diese überwand einen heute aufgeschütteten Graben, der Kern- und Vorburg trennte. Letztere umfasst einen weiträumigen Hof, verschiedene Ökonomiebauten und ein äusseres Tor mit rundem Flankierungsturm.

Im 13. und 14. Jhdt. gehörten die Herren von Oron zu den bedeutendsten Ritterfamilien der Waadt. Neben Oron gehörten ihnen auch die Burgen von Bossonens und Attalens. Ausserdem stellten sie zweimal den Bischof von Lausanne und waren für die Grafen von Savoyen als Vögte tätig.
Mit François d’Oron starb die Familie 1388 aus. Ihr Erbe fiel an die Grafen von Greyerz, die aber in Geldschwierigkeiten steckten und Oron deshalb verkaufen mussten. Die Herrschaft wechselte nun häufig den Besitzer: 1396 gelangte sie an Henri de Montbéliard, nach seinem Tod im selben Jahr an Percival de Royer d’Asti und 1402 an Gaspard de Montmayeur. Erst 1457 konnte Graf Franz von Greyerz sie zusammen mit dem benachbarten Palézieux zurückkaufen.
1476 fiel Oron während der Burgunderkriege Truppen von Herzog Karl dem Kühnen in die Hände, welche die Burg plünderten, weil sich die Grafen von Greyerz auf die Seite der Eidgenossen geschlagen hatten. Nach der Schlacht von Murten konnten die Greyerzer Oron aber kampflos zurückgewinnen, die Herrschaft blieb noch bis 1555 in ihrem Besitz. Damals führte der Ruin der Grafenfamilie zur Aufteilung ihrer Güter – Oron fiel schliesslich an Bern.
Als die Berner die Burg übernahmen, um sie ab 1557 als Landvogteisitz zu verwenden, sah diese nicht viel anders aus als heute. In spätmittelalterlicher Zeit hatte man der alten Ringmauer an den Ecken zunächst sogenannte Pfefferbüchsen aufgesetzt – kleine Türmchen, in denen sich Schützen mit Feuerwaffen postieren konnten. Im 15. Jhdt. kam ein Wehrgang aus Backsteinen hinzu.
Im Revolutionsjahr 1798 wurde der letzte von insgesamt 43 Berner Vögten abgezogen. Die Burg wurde nun Nationalgut und diente als Militärgefängnis, ehe sie 1801 an die Familie Roberti aus Moudon verkauft wurde. 1870 gelangte sie in den Besitz der Familie Gaïffe aus Lyon, die im Gerichtssaal der Vögte eine wertvolle Bibliothek mit 18’000 Büchern einrichtete. Spekulative Geschäfte brachten auch dieser Familie den Ruin, weshalb sie Oron wieder verkaufen musste. Nun gründeten verschiedene Personen aus der Region die «Association pour la conservation du château d’Oron». Diese konnte die Burg 1936 für 140’000 Franken übernehmen. Sie liess die Anlage in den folgenden Jahrzehnten restaurieren und machte sie der Öffentlichkeit zugänglich.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. 2 | Neuenburg, 1966 | S. 34-36
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 696
  • Bourgeois, Victor H. - Die Burgen und Schlösser des Kantons Waadt, II. Teil | Basel, 1936 | S. 44-46
  • De Raemy, Daniel - Châteaux, donjons et grandes tours dans les Etats de Savoie (1230-1330), 2 Bde. [Cahiers d'archéologie romande 98/99] | Lausanne, 2004 | S. 382-383 und S. 535-542
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 12: Waadt, Wallis, Genf | Kreuzlingen, 1976 | S. 91-96
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 57-58
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 4: Kantone Genf, Waadt, Wallis | Zürich, 1981 | S. 55-56
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 158-159
  • Pradervand, Brigitte - Châteaux en pays de Vaud: Du château médiéval à la maison de campagne du XVIIIè siècle | Lausanne, 2010 | S. 38-45
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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