BURG OBER-RUCHENBERG
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Allgemeine Informationen
Ober-Ruchenberg war der Wohnsitz der ab 1232 erwähnten Ritter von Ruchenberg, gelangte aber bereits in der ersten Hälfte des 14. Jhdts. in den Besitz anderer Geschlechter. Um 1500 wurde die Burg offenbar nach einem Brand aufgegeben. Die Ruine steht auf einem abgelegenen Bergsporn über dem Scalära-Tobel, im Fürstenwald zwischen Chur und Trimmis. Die durch einen Halsgraben geschützte Kernburg besteht aus einem Wohnturm mit angebautem Palas. Auf zwei vorgelagerten Plateaus, die wohl auch zur Anlage gehörten, sind hingegen keine Mauern mehr erkennbar.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 52’ 50.80“ N, 09° 34’ 19.70“ E
Höhe: 1068 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 762.610 / 194.400
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Im Rheintal die Autobahn A13 bei der Ausfahrt Zizers verlassen und in östlicher Richtung fahren. Im Verkehrskreisel nach Süden auf die Deutsche Strasse abbiegen, die parallel zur Autobahn verläuft. Dieser Hauptstrasse über Altstrass und Trimmis bis zum Weiler Grossrüfi folgen, wo links der Churweg in Richtung Says und Trimmis abbiegt. Gleich beim Beginn dieses Abzweigers wieder rechts abbiegen und dem schmalen Strässchen über ca. 1 km in südöstlicher Richtung über die Maschänser Rüfi folgen, wo sich ein Parkplatz befindet. Ab hier dem ausgeschilderten Weg zunächst auf dem Strässchen und dann auf einem Waldweg gerade bergauf folgen, bis die als Bergwanderweg markierte Route links abzweigt und nach Querung des Scalära-Tobels steil bergauf zur Burg führt (Zustieg rund 1 h 20 Min.).
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab dem Bahnhof Chur mit der Buslinie 2 bis zur Endhaltestelle Fürstenwald fahren. Nun dem Wanderweg in Richtung Trimmis nach Norden folgen, bis dieser auf das Strässchen trifft, das entlang der Maschänser Rüfi bergauf führt. Ab hier auf der oben beschriebenen Route auf dem ausgeschilderten Bergwanderweg bis hinauf zur Burg (Zustieg rund 1 h 45 Min.).
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Ober-Ruchenberg
Quelle: Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 310 | überarbeitet von O. Steimann, 2019
Historie
Die Burg Ober-Ruchenberg steht weitab jeglicher Siedlungen auf einem bewaldeten Bergsporn über dem Scalära-Tobel im Churer Fürstenwald. Bergseits ist die Anlage durch einen Halsgraben geschützt, vor dem sich das Plateau der Vorburg ausbreitet. Als Ergebnis einer Raubgrabung finden sich hier leider nur noch wirre Steinhaufen, die auf frühere Trockenmauern hinweisen.
Die Kernburg besteht aus einem grossen Wohnturm mit angebautem Palas. Der Turm misst im Grundriss rund 9,5 x 10 Meter, die maximale Mauerstärke auf der Bergseite beträgt 2,3 Meter. Er verfügte über mindestens vier Stockwerke und einen Hocheingang in der zweiten Etage auf der Westseite. Bewohnbar waren offenbar das zweite und dritte Stockwerk, wo sich noch ein Aborterker, Mauernischen und Überreste eines Kamins erkennen lassen. Die Etagen waren über eine Blocktreppe miteinander verbunden, die sich noch im Wandverputz auf der Ostseite abzeichnet. Besonders rätselhaft sind schmale, schräg nach oben verlaufende Schächte auf allen noch bestehenden Seiten des dritten Stockwerks. Inwendig beginnen sie alle auf der Höhe des einstigen Zwischenbodens. In der aktuellen Forschung werden sie als Teil eines primitiven Bodenheizungssystems interpretiert, das sich in vergleichbarer Form auch auf der Burg Belfort findet.

Auf der Ostseite des Turms muss sich gegen den Burggraben hin einst ein Anbau befunden haben – davon zeugt gut erhaltener Verputz über die Höhe des ersten Stockwerks. Westlich des Turms stand der dreigeschossige Palas, dessen Zerfall in den letzten Jahrzehnten leider rasch vorangeschritten ist. Im frühen 20. Jhdt. war auf seiner Innenseite noch ein weiter Kamin vorhanden, der einst einen Saal mit grossen Fensteröffnungen zierte. Heute ist dieser Teil der Nordwestwand leider eingestürzt.
Ebenfalls zur Burganlage gehört haben dürfte eine Terrasse, die etwas weiter nordwestlich künstlich aus dem Berghang gebrochen wurde. Auf diesem Plateau sind heute aber keine Mauerspuren mehr vorhanden.

Die Burg wird als Gründung der Herren von Ruchenberg betrachtet, die mit Ritter Albero 1232 erstmals Erwähnung finden. Weil Ruchenberg eine deutsche Entsprechung von Aspermont ist, liegt die Vermutung nahe, dass die benachbaren Herren von Ruchenberg und Aspermont zur gleichen Familie gehörten. Klare Belege gibt es dafür aber nicht. Die Ruchenberger pflegten gute Beziehungen zum Bischof von Chur und zum Kloster Pfäfers, wo sie mit Conrad auch einen Abt stellten, der 1282 von König Rudolf von Habsburg zum Reichsfürsten erhoben wurde.

Um 1370 kam es zu einer Familientragödie, als Johann von Ruchenberg seine Schwester Katherina tötete. Das Geschlecht befand sich damals schon auf dem Abstieg, seine Burg hatte es längst verloren. Denn bereits 1339 gelobten Walter, Meier von Altstätten und Conrad von Underwegen, die Kaufleute auf der Strasse vom Zürichsee nach Churwalden zu beschützen. Und zwar von der «vesti ze Ruchenberg dero wir uns underzogen haben und dar uf behuset sin». Wie die beiden Adligen in den Besitz von Ober-Ruchenberg gelangt sind, ist nicht bekannt. 1409 werden die Herren von Marmels als Besitzer der Burg ausgewiesen, während sie 1444 ein Vogt der Herren von Sigberg verwaltete. Es muss im 14. und 15. Jhdt. demnach zu einigen Besitzerwechseln gekommen sein.

Spätestens um 1500 wurde Ober-Ruchenberg wohl aufgegeben. Grund dafür könnte eine Brandkatastrophe gewesen sein, denn bei Schürfungen im Innern des Wohnturms wurde 1963 eine dicke Brandschicht festgestellt. Die Burg gehörte zu jener Zeit den Herren von Schlandersberg, die sie wohl zusammen mit Neu-Aspermont erworben hatten. 1521 verkaufte Ulrich von Schlandersberg Zinsen seiner Herrschaft an Ludwig Tschudi von Glarus. Als ein Unterpfand für diesen Handel wurde «das burgstel Ruchenberg ob Triminss gelegen sampt dem wald darby» eingesetzt. Damals war die Burg also sicher nicht mehr bewohnt. Die Chronisten des 16. Jhdts. beschreiben sie durchgehend als Ruine.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 357
  • Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 309-311
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden) | 2. überarb. und erg. Aufl. | Kreuzlingen, 1981 | S. 128-129
  • Högl, Lukas - Fussbodenheizungen auf zwei Bündner Burgen - und damit zusammenhängende bauliche Aspekte der Burg Belfort | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 23. Jhg./Nr. 4 | Basel, 2018 | S. 169-187
  • Meng, J. U. - Aspermont, Trimons und Ruchenberg | In: Bündner Monatsblatt, Heft 12/1956 | Chur, 1956 | S. 369-377
  • Mooser, Anton - Die Burg Ober-Ruchenberg zwischen Trimmis und Chur und die Letze bei Masans | In: Bündnerisches Monatsblatt, Heft 11/1917 | Chur, 1917 | S. 337-349
  • Poeschel, Erwin - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Leipzig, 1930 | S. 171-172
  • Poeschel Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. VII: Chur und der Kreis Fünf Dörfer | Basel, 1948 | S. 395
  • Von Castelmur, Anton - Die Burgen und Schlösser Graubündens, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg | Basel, 1940 | S. 60-61
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